Schallempfindungsschwerhörigkeit: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Schallempfindungsschwerhörigkeit: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Eine Schallempfindungsschwerhörigkeit gehört zu den häufigsten Formen von Hörminderung. Betroffene hören Töne und Sprache nicht einfach nur leiser – häufig verändert sich auch die Art, wie Klänge wahrgenommen und verarbeitet werden. Gerade Gespräche in Restaurants, bei Familienfeiern oder in anderen Situationen mit vielen Hintergrundgeräuschen können dadurch zunehmend anstrengend werden. Wer sich ausführlich über die Schallempfindungsschwerhörigkeit und ihre Auswirkungen auf das Hören informieren möchte, findet dort weitere Informationen zu diesem Thema.

Eine solche Hörminderung entwickelt sich bei manchen Menschen langsam über viele Jahre. Bei anderen kann sie deutlich schneller auftreten. Entscheidend ist, Hörveränderungen nicht einfach als normalen Bestandteil des Älterwerdens hinzunehmen, sondern die Ursache medizinisch abklären zu lassen.

Was ist eine Schallempfindungsschwerhörigkeit?

Damit wir hören können, müssen mehrere Bereiche des Ohres und des Nervensystems zusammenarbeiten.

Schallwellen werden zunächst von der Ohrmuschel aufgenommen und über den Gehörgang zum Trommelfell geleitet. Von dort übertragen die Gehörknöchelchen die Schwingungen in das Innenohr.

Im Innenohr befindet sich die sogenannte Cochlea, auch Hörschnecke genannt. Dort werden mechanische Schwingungen in elektrische Nervenimpulse umgewandelt. Diese Signale gelangen anschließend über den Hörnerv zum Gehirn, wo sie verarbeitet und als Sprache, Musik oder andere Geräusche erkannt werden.

Bei einer Schallempfindungsschwerhörigkeit liegt die Störung vor allem im Innenohr oder in den weiterleitenden Nervenstrukturen.

Das Bundesgesundheitsportal beschreibt sie als Hörstörung, bei der Schallwellen nicht mehr normal verarbeitet werden. Mögliche Ursachen können unter anderem Veränderungen des Hörorgans im Innenohr oder des Hörnervs sein.

Eine unabhängige medizinische Übersicht bietet das Bundesgesundheitsportal zur Schallempfindungsschwerhörigkeit.

Unterschied zur Schallleitungsschwerhörigkeit

Der Begriff wird leicht mit der Schallleitungsschwerhörigkeit verwechselt.

Bei einer Schallleitungsschwerhörigkeit liegt das Problem vereinfacht gesagt auf dem Weg des Schalls zum Innenohr. Ursachen können beispielsweise im Gehörgang, am Trommelfell oder im Mittelohr liegen.

Bei der Schallempfindungsschwerhörigkeit erreicht der Schall das Innenohr dagegen grundsätzlich, kann dort aber nicht mehr vollständig verarbeitet beziehungsweise in Nervenimpulse umgesetzt werden.

Form der Schwerhörigkeit Typischer Ort der Störung Prinzip
Schallleitungsschwerhörigkeit Außenohr oder Mittelohr Schall wird nicht ausreichend weitergeleitet
Schallempfindungsschwerhörigkeit Innenohr oder Hörnerv Schallsignale werden nicht normal verarbeitet
Kombinierte Schwerhörigkeit Mehrere Bereiche Beide Mechanismen treten gemeinsam auf

Warum klingt Sprache plötzlich undeutlich?

Eine Besonderheit der Schallempfindungsschwerhörigkeit besteht darin, dass Betroffene nicht einfach nur die Lautstärke reduzieren wahrnehmen.

Bestimmte Frequenzbereiche können stärker betroffen sein als andere.

Gerade bei altersbedingter Schwerhörigkeit verschlechtert sich häufig zunächst die Wahrnehmung höherer Frequenzen. Dadurch können bestimmte Konsonanten schlechter verstanden werden.

Ein Gesprächspartner scheint dann zwar laut genug zu sprechen, einzelne Wörter bleiben aber trotzdem unklar.

Typisch ist beispielsweise die Aussage:

„Ich höre dich, aber ich verstehe dich nicht richtig.“

Welche Symptome können auftreten?

Eine Schallempfindungsschwerhörigkeit entwickelt sich nicht bei jedem Menschen gleich.

Mögliche Anzeichen sind:

  • Gespräche werden zunehmend schwer verständlich.
  • Fernseher oder Radio werden lauter eingestellt.
  • Andere Menschen wirken, als würden sie undeutlich sprechen.
  • Telefonate fallen schwerer.
  • Gespräche bei Hintergrundgeräuschen werden besonders anstrengend.
  • Hohe Töne werden schlechter wahrgenommen.
  • Türklingel, Vogelstimmen oder bestimmte Signaltöne werden überhört.
  • Betroffene fragen häufiger nach.
  • Nach längeren Gesprächen entsteht schneller Erschöpfung.

Je nach Ursache können zusätzlich Tinnitus, ein Druckgefühl im Ohr oder Schwindel auftreten.

Das Gehirn hört mit

Hören findet nicht ausschließlich im Ohr statt.

Das Innenohr liefert elektrische Signale, aber erst das Gehirn erkennt daraus beispielsweise Sprache.

Wenn bestimmte Frequenzen nicht mehr ausreichend übertragen werden, fehlen dem Gehirn Teile dieser Informationen.

Es versucht, die fehlenden Bestandteile aus dem Zusammenhang zu ergänzen.

In einer ruhigen Umgebung funktioniert das häufig noch erstaunlich gut.

Sobald jedoch mehrere Menschen gleichzeitig sprechen oder Hintergrundmusik läuft, wird diese Kompensation schwieriger.

Ursache Nummer eins: Alter

Bei vielen Menschen verschlechtert sich das Hörvermögen mit zunehmendem Alter.

Diese Form wird als Altersschwerhörigkeit oder Presbyakusis bezeichnet.

Sie entwickelt sich normalerweise langsam und betrifft häufig beide Ohren.

Das Bundesgesundheitsportal weist darauf hin, dass bei den meisten Menschen Hörstörungen erst im Alter auftreten. Neben normalen Alterungsprozessen werden unter anderem jahrelange Lärmbelastung und eine erbliche Veranlagung als mögliche Einflussfaktoren betrachtet.

Lärm als Belastung für das Innenohr

Lärm gehört zu den wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren für Hörschäden.

Besonders problematisch sind hohe Lautstärken über längere Zeiträume.

Dazu gehören beispielsweise:

  • laute Maschinen,
  • regelmäßige Konzert- oder Clubbesuche ohne Gehörschutz,
  • sehr laute Musik über Kopfhörer,
  • Schusslärm oder Explosionen und
  • andere starke Schallereignisse.

Ein besonders intensiver Lärmimpuls kann zu einem sogenannten Knalltrauma führen.

Aber auch dauerhaft wiederkehrende Lärmbelastungen können das Innenohr über Jahre schädigen.

Wie entstehen Schäden im Innenohr?

In der Hörschnecke befinden sich sehr feine Sinneszellen, sogenannte Haarzellen.

Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Umwandlung mechanischer Schwingungen in elektrische Signale.

Werden diese empfindlichen Strukturen geschädigt, kann die Signalübertragung beeinträchtigt werden.

Problematisch ist, dass geschädigte Haarzellen beim Menschen nicht einfach vollständig nachwachsen.

Deshalb können Innenohrschäden dauerhaft bestehen bleiben.

Weitere mögliche Ursachen

Neben Alter und Lärm kommen weitere Auslöser infrage.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • ein Hörsturz,
  • bestimmte Infektionen,
  • erblich bedingte Hörstörungen,
  • Verletzungen,
  • bestimmte Medikamente mit hörschädigendem Potenzial,
  • Erkrankungen des Innenohrs oder
  • seltene Erkrankungen des Hörnervs.

Die Ursache sollte deshalb immer individuell abgeklärt werden.

Plötzliche Hörminderung ernst nehmen

Eine langsam fortschreitende Schwerhörigkeit unterscheidet sich deutlich von einer plötzlich auftretenden Hörminderung.

Wenn sich das Hörvermögen innerhalb kurzer Zeit auf einem Ohr deutlich verschlechtert, sollte zeitnah ärztlicher Rat eingeholt werden.

Ein Hörsturz kann beispielsweise mit einem plötzlichen Hörverlust, Druckgefühl, Tinnitus oder Schwindel einhergehen.

Solche Symptome gehören nicht in die Kategorie „erst einmal abwarten“, sondern sollten medizinisch beurteilt werden.

Wie wird eine Schallempfindungsschwerhörigkeit diagnostiziert?

Bei Hörproblemen ist eine HNO-ärztliche Untersuchung sinnvoll.

Zunächst wird das Ohr untersucht. Dadurch können Ursachen ausgeschlossen werden, die beispielsweise im äußeren Gehörgang oder Mittelohr liegen.

Anschließend kommen verschiedene Hörtests infrage.

Tonaudiometrie

Bei der Tonaudiometrie werden unterschiedliche Frequenzen und Lautstärken abgespielt.

Die untersuchte Person gibt an, ab wann sie einen Ton wahrnimmt.

Dadurch entsteht ein sogenanntes Audiogramm.

Dieses zeigt, in welchen Frequenzbereichen das Hörvermögen eingeschränkt ist.

Sprachaudiometrie

Für den Alltag ist nicht nur wichtig, wie leise ein Ton sein darf, damit er noch gehört wird.

Ebenso entscheidend ist, wie gut Sprache verstanden wird.

Bei der Sprachaudiometrie werden deshalb Wörter oder andere Sprachsignale bei unterschiedlichen Lautstärken angeboten.

Warum frühe Abklärung sinnvoll ist

Hörminderungen entwickeln sich häufig schleichend.

Das Gehirn passt sich an, sodass Betroffene selbst die Veränderung zunächst kaum wahrnehmen.

Oft fällt das schlechtere Hören zuerst Angehörigen auf.

Typische Hinweise sind beispielsweise:

  • Der Fernseher wird immer lauter.
  • Fragen müssen häufiger wiederholt werden.
  • In größeren Gruppen werden Gespräche vermieden.
  • Betroffene reagieren scheinbar nicht auf Ansprache.

Je früher geklärt wird, warum sich das Hörvermögen verschlechtert, desto früher können geeignete Maßnahmen besprochen werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie hängt stark von der Ursache und vom Ausmaß der Hörminderung ab.

Bei einer dauerhaft bestehenden Innenohrschwerhörigkeit lässt sich die ursprüngliche Funktion der geschädigten Sinneszellen häufig nicht vollständig wiederherstellen.

Deshalb geht es in vielen Fällen darum, das vorhandene Hörvermögen bestmöglich zu nutzen.

Hörgeräte bei Schallempfindungsschwerhörigkeit

Moderne Hörgeräte verstärken nicht einfach alle Geräusche gleichermaßen.

Sie können Signale abhängig von Frequenz und Hörverlust gezielt verarbeiten.

Dadurch lässt sich beispielsweise Sprache hervorheben, während bestimmte störende Hintergrundgeräusche reduziert werden können.

Wie gut ein Hörgerät funktioniert, hängt allerdings nicht allein von der Technik ab.

Wichtig sind unter anderem:

  • eine sorgfältige Hörmessung,
  • die passende Bauform,
  • eine individuelle Einstellung,
  • regelmäßige Nachkontrollen und
  • die Gewöhnung an das neue Hörerlebnis.

Warum die Gewöhnung Zeit benötigt

Menschen mit langsam fortschreitender Schwerhörigkeit gewöhnen sich häufig über Jahre an ein eingeschränktes Klangbild.

Wird das Hörvermögen plötzlich durch ein Hörgerät unterstützt, tauchen Geräusche wieder auf, die möglicherweise lange kaum wahrgenommen wurden.

Papier raschelt.

Geschirr klappert.

Schritte sind deutlicher hörbar.

Das kann anfangs ungewohnt wirken.

Das Gehirn muss lernen, diese zusätzlichen Informationen wieder einzuordnen und wichtige von unwichtigen Geräuschen zu unterscheiden.

Cochlea-Implantate bei sehr starkem Hörverlust

Bei sehr ausgeprägter Schallempfindungsschwerhörigkeit kann ein normales Hörgerät unter Umständen nicht mehr ausreichend helfen.

In bestimmten Fällen kommen dann Cochlea-Implantate infrage.

Ein Cochlea-Implantat funktioniert anders als ein klassisches Hörgerät. Es stimuliert den Hörnerv elektrisch und umgeht dabei einen Teil der geschädigten Strukturen im Innenohr.

Ob eine solche Versorgung sinnvoll ist, muss in spezialisierten medizinischen Untersuchungen geprüft werden.

Welche Folgen kann unbehandelte Schwerhörigkeit haben?

Hörprobleme betreffen nicht nur die Ohren.

Kommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil unseres sozialen Lebens.

Wenn Gespräche immer anstrengender werden, ziehen sich manche Betroffene zunehmend zurück.

Familienfeiern, Restaurantbesuche oder Gespräche in größeren Gruppen können irgendwann als Belastung empfunden werden.

Das Bundesgesundheitsportal weist darauf hin, dass eingeschränktes Hören soziale Kontakte erschweren und bei manchen Menschen Gefühle von Ausgrenzung oder Niedergeschlagenheit fördern kann.

Tipps für den Alltag

Einige einfache Strategien können Gespräche erleichtern:

  • dem Gesprächspartner möglichst direkt gegenüber sitzen,
  • auf gute Beleuchtung achten,
  • Hintergrundgeräusche reduzieren,
  • Fernseher oder Radio während Gesprächen leiser stellen,
  • in Restaurants einen ruhigeren Sitzplatz wählen,
  • Gesprächspartner über die Hörminderung informieren.

Hilfreich ist meistens nicht, besonders laut zu schreien.

Deutliches, natürliches Sprechen ist häufig wesentlich angenehmer.

Wie lässt sich das Gehör schützen?

Nicht jede Form der Schallempfindungsschwerhörigkeit lässt sich verhindern.

Das persönliche Lärmrisiko kann jedoch reduziert werden.

Geeigneter Gehörschutz ist besonders wichtig bei:

  • lauten Maschinen,
  • Heimwerkerarbeiten,
  • Konzerten,
  • Motorsport und
  • anderen lärmintensiven Aktivitäten.

Auch bei Kopfhörern lohnt sich ein bewusster Umgang mit der Lautstärke.

Wann sollte man einen Hörtest machen?

Ein Hörtest ist sinnvoll, wenn man selbst oder das Umfeld Veränderungen bemerkt.

Dazu gehören beispielsweise:

  • häufiges Nachfragen,
  • Schwierigkeiten bei Gesprächen in Gruppen,
  • das Überhören von Signaltönen,
  • deutlich höhere Fernsehlautstärke oder
  • das Gefühl, dass andere Menschen zunehmend undeutlich sprechen.

Ein Hörtest kann schnell zeigen, ob bestimmte Frequenzen tatsächlich schlechter wahrgenommen werden.

Häufige Fragen zur Schallempfindungsschwerhörigkeit

Ist eine Schallempfindungsschwerhörigkeit heilbar?

Das hängt von der Ursache ab. Dauerhaft geschädigte Sinneszellen im Innenohr lassen sich in vielen Fällen nicht vollständig wiederherstellen. Moderne Hörsysteme können den Hörverlust jedoch häufig wirkungsvoll ausgleichen.

Ist Schallempfindungsschwerhörigkeit immer altersbedingt?

Nein. Alter ist ein wichtiger Faktor, aber auch Lärm, Erkrankungen, Verletzungen, genetische Faktoren oder andere Ursachen können eine Rolle spielen.

Kann die Schwerhörigkeit nur auf einem Ohr auftreten?

Ja. Sie kann einseitig oder beidseitig vorkommen. Eine plötzlich auftretende einseitige Hörminderung sollte medizinisch abgeklärt werden.

Warum verstehe ich Menschen im Restaurant schlechter?

Bei Hintergrundgeräuschen muss das Gehirn Sprache von vielen anderen akustischen Signalen unterscheiden. Fehlen aufgrund eines Hörverlusts bestimmte Frequenzinformationen, wird diese Aufgabe deutlich schwieriger.

Fazit: Hörveränderungen nicht einfach hinnehmen

Eine Schallempfindungsschwerhörigkeit betrifft vor allem die Verarbeitung von Schallsignalen im Innenohr beziehungsweise im Bereich der Hörbahn. Sie kann sich langsam entwickeln oder in bestimmten Fällen plötzlich auftreten.

Typische Hinweise sind ein schlechteres Sprachverständnis, Schwierigkeiten bei Hintergrundgeräuschen und das Gefühl, dass andere Menschen zunehmend undeutlich sprechen.

Da sehr unterschiedliche Ursachen infrage kommen, sollte eine Hörminderung fachlich untersucht werden.

Ist der Hörverlust dauerhaft, können moderne Hörgeräte das vorhandene Hörvermögen gezielt unterstützen. Bei sehr starken Einschränkungen stehen unter bestimmten Voraussetzungen weitere Möglichkeiten wie Cochlea-Implantate zur Verfügung.

Vor allem sollte man Hörprobleme nicht unnötig lange ignorieren. Gutes Hören bedeutet schließlich weit mehr, als nur Geräusche wahrzunehmen.

Es ermöglicht Kommunikation, Orientierung und aktive Teilhabe am täglichen Leben.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder individuelle medizinische Beratung.