Bernhard Mayer

Prof. Bernd Mayer
Prof. Bernd Mayer

Bernd Mayer, seit 1999 Professor für Pharmakologie und Toxokologie an der Universität in Graz und dort verantwortlich für die Ausbildung von Studierenden der Pharmazie.

Sein Fachgebiet ist die Herzkreislaufforschung. - Nicht Nicotin, darauf ist er erst im Zuge der Dampfaktivitäten gestoßen.

Bis 2012 hat Prof. Mayer selbst noch geglaubt und gelehrt, dass Nikotin sehr gefährlich sei.

Blog: Bernd Mayer´s Science Blog (englisch, 2015 eingeschlafen)

Wikipedia-Eintrag: Bernd Mayer (Pharmakologe)

Obis Bühnenshow auf der Vienna Vapeshow 2016 - Teil 3 - Thema: Mythos Nikotin, Gast: Prof. Mayer.

[AT] Prof. Dr. Mayer – Abhandlung – Ist Nikotin Gift?, Dampfreiheit, 10.1.17


Facebook, 4.4.17: KOFFEINSUCHT - LEITFADEN FÜR BETROFFENE UND ENTSCHEIDUNGSTRÄGER

Gemäß Daten der WHO haben über 90 % der erwachsenen Bevölkerung in den westlichen Industrienationen bereits einmal ein koffeinhaltiges Getränk konsumiert, über 60 % machen das täglich. Auch Kinder und Jugendliche tendieren zunehmend zum Missbrauch von Koffein. Durch Erhöhung von Blutdruck und Herzfrequenz bewirkt Koffein eine Belastung für das Herz-Kreislaufsystem, sodass nachhaltige gesundheitliche Beeinträchtigung der Konsumenten nicht ausgeschlossen werden kann. Außerdem fördert Koffein die Freisetzung von Dopamin im Gehirn, wodurch kognitives Wohlbefinden ausgelöst wird, das langfristig Abhängigkeit und Sucht zur Folge hat.

Zumeist wird Koffein in der Form von Auszügen der Kaffeebohne (gemeinhin als "Kaffee" bezeichnet), konsumiert. Kaffee enthält neben dem Suchtgift Koffein mehrere hundert z.T. toxische Stoffe, von denen einige von der WHO anerkannte Kanzerogene sind, d.h. Krebs verursachen können. Vereinzelt erwägen Konsumenten zur Reduktion der Schädlichkeit von Kaffee (coffee harm reduction, CHR) den Umstieg auf weniger schädliche koffeinhaltige Getränke, wie z.B. Tee. Davon raten die WHO und zahlreiche international anerkannte medizinische Fachgesellschaften dringend ab. Durch den Konsum von Tee nimmt man weiterhin das gesundheitsschädliche und suchterzeugende Koffein auf, die Abhängigkeit von Koffein bleibt also bestehen. Außerdem liegen bisher keine von der Kaffee-Industrie unabhängig finanzierte Langzeitstudien zu den gesundheitlichen Auswirkungen vor, sodass langfristige Gesundheitsschäden nicht auszuschließen sind. Dem Vorsorgeprinzip entsprechend müssen daher bis zum Vorliegen verlässlicher Daten zur toxikologischen Unbedenklichkeit koffeinhaltiger Produkte strenge gesundheitspolitische Maßnahmen zur Eindämmung des weltweiten Koffeinkonsums ergriffen werden. Diese Maßnahmen sollten nicht nur Kaffee sondern auch mit Kaffee verwandte koffeinhaltige Erzeugnisse (Tee, Coca Cola, Energy Drinks u.a.) umfassen, um Re-Normalisierung des Koffeinmissbrauchs zu verhindern. Zur EU-weiten Implementierung und Harmonisierung dieser Maßnahmen arbeitet die Kommission zur Zeit an einer Kaffeeproduktrichtlinie (coffee product directive, CPD), die von den Mitgliedsstaaten zeitnah umzusetzen ist.

Besonders problematisch ist die Wirkung des Koffeinkonsums von Erwachsenen auf Kinder und Jugendliche, deren Schutz unser vorrangiges Ziel sein sollte. Kinder könnten durch Tee trinkende Eltern selbst zum Teetrinken verleitet werden und später auf Kaffee umsteigen. Epidemiologische Studien zeigen, dass Kaffee trinkende Jugendliche häufiger Tee getrunken haben als eine Kaffee-abstinente Vergleichsgruppe. Offenbar ist also Teetrinken ein Gateway zum Kaffeekonsum von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Daher sollte für den Erwerb koffeinhaltiger Produkte ein Mindestalter von 25 Jahren gesetzlich verankert werden.

Abschließend ist auch die Abhängigkeit vom Trinkverhalten zu erwähnen, die maßgeblich zur Koffeinsucht beiträgt und bei der Entwöhnung von Abhängigen berücksichtigt werden muss. Der Ersatz von Kaffee durch andere koffeinhaltige Getränke hält diese Abhängigkeit aufrecht und ist daher strikt abzulehnen. Konsumenten sollten dazu angehalten werden, auf das Trinken gänzlich zu verzichten. Nur so können sich die durch das Trinkverhalten verstärkten neuronalen Bahnen im Gehirn wieder zurückbilden. In schweren Fällen kann der Entzug durch Arzneimittel mit medizinischem Koffein unterstützt werden, deren Sicherheit durch aufwändige Zulassungsverfahren gewährleistet ist.

 


Am 14.4.17 bietet Prof. Mayer Kurzinformation für Ärzte.